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Bibellesen und Bibelstudium

Anleitung zum Bibellesen, Werner Mücher

1. GRUNDSÄTZLICHES ZUR BIBEL

1.1. Die Bibel ist Gottes Offenbarung an uns Menschen

Wie können wir unsere Bibel besser kennen lernen? Es ist gut, sich zuerst einmal gründlich bewusst zu sein, dass die Bibel das Wort Gottes ist. Welch eine gewaltige Tatsache, dass der unendliche, unfassbare Gott sich in einer menschlichen Sprache ausgedrückt hat. Wenn Gott sich nicht in dieser Weise zu uns herabgeneigt hätte, hätten wir niemals etwas von Ihm erfahren. Was wir über und von Gott wissen, ist allein das, was Er offenbart hat. Wir können daher nur vorsichtig und ehrfürchtig das nachsprechen, was uns offenbart ist.

1.2. Das Wort Gottes will zum Herzen sprechen

Die Bibel ist kein theologisch-wissenschaftliches Werk. Deshalb spricht sie jeden Menschen jeder Altersklasse und jeder Gesellschaftsschicht an. Sie wendet sich an das Herz und Gewissen des Menschen. Eine rein intellektuelle Beschäftigung mit der Bibel kann daher einen Menschen sogar unempfänglich machen für das Wirken des Geistes Gottes. Anders wäre es nicht erklärbar, dass Theologen die Auferstehung, ja sogar Gott selbst, leugnen können. Die Pharisäer zur Zeit Jesu kannten das Wort Gottes sehr gut, aber ihr Herz war weit entfernt von Gott.

1.3. Das Wort Gottes ist wörtlich inspiriert

„Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit“ (2. Tim 3,16). Alle Schrift bedeutet auch: das Geschriebene, jedes Schriftwort. Die Schrift wurde den Schreibern inspiriert (= eingehaucht). Etwa fünfzig Mal wird das Wort Gottes im Neuen Testament die „Schrift“ genannt. Es ist nicht möglich, das Wesen der Inspiration zu ergründen, weil sie ein Wunder Gottes ist. Die Kraft Gottes geht von dem inspirierten Wort aus. Diese Kraft zu untersuchen, hieße, die Sonne mit einer Lampe zu erforschen.

1.4. Warum müssen wir das Wort Gottes kennen lernen?

Der Apostel Petrus wünscht den Empfängern seines 2. Briefes: „Wachst aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus“ (3,18). Den Pharisäern sagte der Herr Jesus einmal: „Ihr erforscht die Schriften ..., und sie sind es, die von mir zeugen“ (Joh 5,39). Jünger Jesu lernen ihren Herrn auf dem Weg der Nachfolge kennen. Daran haben die Schriften einen sehr wesentlichen Anteil. Der Heilige Geist leitet uns auf unserem Weg durch die Welt auf vielfache Weise durch das Wort Gottes; es ist eine Leuchte für unseren Fuß und Licht für unseren Weg (Ps 119,105). Das Wort Gottes überführt uns von Sünde und hilft uns wieder zurecht (2. Tim 3,16). Wir haben es nötig, das Wort Gottes zu kennen, damit wir es im Dienst für den Herrn auf alle Weise gebrauchen können

2. BIBELLESEN – STILLE ZEIT

2.1. Tägliches Lesen des Wortes Gottes

In 5. Mose 17 spricht Mose von dem Fall, dass es in Israel einmal einen König geben könnte. Eine sehr wichtige Anweisung für den König lautet: „Und es soll geschehen, wenn er auf dem Throne seines Königtums sitzt, so soll er sich eine Abschrift dieses Gesetzes in ein Buch schreiben, aus dem, was vor den Priestern, den Leviten, liegt. Und es soll bei ihm sein, und er soll alle Tage seines Lebens darin lesen, auf dass er den HERRN, seinen Gott, fürchten lerne, um zu beobachten alle Worte dieses Gesetzes und diese Satzungen, sie zu tun“ (V. 18.19). Was für Könige zur Zeit des Alten Testaments galt, gilt auch für Könige in dieser Zeit. Alle Gläubigen sind heutzutage Könige und Priester (Offb 1,6). Das Wort Gottes lehrt sie, Gott zu fürchten und Ihm gehorsam zu sein.

2.2. Lesen mit Gebet

Jemand hat einmal im Blick auf das Bibellesen geschrieben: „Nicht durch intellektuelle Kraft, sondern durch das betende Lesen, indem wir uns unter die Leitung des Heiligen Geistes stellen und dann im Glauben annehmen, was Gottes Wort sagt, ergreifen wir Besitz von allen Schätzen des Wortes. (1) Wer kennt nicht die Redewendung: „Ohne Gebet und Gottes Wort geh nie aus deinem Hause fort“? Soll man zuerst beten und dann lesen, oder umgekehrt? Oder vor und nach dem Lesen? Kniend lesen ist auch eine gute Möglichkeit. Bestimmte Regeln mögen gut sein, sind aber nicht entscheidend. Wichtig ist das Lesen des Wortes Gottes mit wachem Herzen und Gewissen: Gott spricht zu mir! Wenn Gott zu mir spricht, ist es dann nicht mein Wunsch, dass auch ich zu Ihm spreche?

2.3. Bibellesen ist Nahrungsaufnahme

Jeder verbringt im Durchschnitt etwa eine Stunde am Tag mit Essen (Frühstück, Mittagessen, Abendessen), manche noch viel länger. Wie viel Zeit pro Tag verbringen wir mit dem Lesen des Wortes Gottes? Drei Tage ohne Mahlzeiten – das ist noch keine Katastrophe. Wenn ich aber drei Tage das Wort Gottes nicht lese, hat das Folgen. Ein Klaviervirtuose hat einmal gesagt: Wenn ich einen Tag nicht Klavier übe, merke ich es; wenn ich zwei Tage nicht übe, merken es die Hausbewohner; ab dem dritten Tag merkt es das Publikum.

Ohne geistliche Nahrungsaufnahme kein geistliches Wachstum!

2.4. Lesen des Wortes Gottes mit Bibelleseplan?

Es gibt Menschen, die in ihrem Leben mit einem Bibelleseplan fünfzig Mal das Wort Gottes durchgelesen haben. Was für den einen gilt, muss nicht für den anderen gelten. Sporadisches Lesen führt jedoch in aller Regel zu Oberflächlichkeit und zu kürzeren oder längeren Unterbrechungen. Es gibt Bibellesepläne, die so aufgebaut sind, dass man die Bibel in einem Jahr, in zwei oder drei Jahren durchlesen kann.

3. SYSTEMATISCHES BIBELSTUDIUM

Neben dem erbaulichen, andächtigen Bibellesen besteht für jeden die Möglichkeit, nach seinen persönlichen Möglichkeiten das Wort Gottes systematisch zu untersuchen.

Dazu einige Hinweise zum wirkungsvollen Vorgehen:

1. Mit einem Bibelbuch (Brief) anfangen und gründlich lesen

2. Dann einige Fragen zu dem Buch stellen:

3. Alles Herausgefundene notieren (wer einen PC hat, kann später gut Ergänzungen einfügen)

4. Danach wertvolle Bibelstudienbücher zurate ziehen und gründlich lesen. Es gibt heute einen Überfluss an guter und hilfreicher Literatur. Ebenfalls wichtige Dinge notieren.

5. Besuch von Wortbetrachtungen, Bibelvorträgen; Mitschreiben wichtiger Gedanken.

4. ALLGEMEINE GRUNDSÄTZE FÜR DAS BIBELSTUDIUM

4.1. Schwerpunkte oder Bereiche

Das Wort Gottes ist reich an den unterschiedlichsten Themen. Um nur einige zu nennen: Gemeinde oder Versammlung Gottes; das sehr umfangreiche Gebiet der Prophetie; die Geschichtsbücher; Studium einzelner Personen (das 1. Buch Mose ist hauptsächlich eine Beschreibung von verschiedenen Personen); die neutestamentlichen Briefe usw. Das erhabenste Thema ist zweifellos die Person unseres Heilandes, des Herrn Jesus Christus (insbesondere die Evangelien), obwohl wir Ihn auf jedem Blatt der Bibel finden. Er ist das Zentrum der Schriften, das Alpha und Omega.

4.2. Wichtige Unterschiede beachten

Wir erfassen niemals das Wort Gottes in seiner ganzen Tiefe. Sonst wäre es nicht Gottes Wort. Logische Schlussfolgerungen mögen zwar nützlich sein, sind aber nicht immer richtig. Gott hat eine höhere Logik. Viel Unheil ist bei der Auslegung des Wortes Gottes schon dadurch entstanden, dass man wichtige Unterschiede nicht genügend beachtet hat. Dazu einige Bespiele:

4.3. Weitere Hilfsmittel

Wer sprachbegabt ist, sollte neben seiner deutschen Bibel eine Bibel in einer Fremdsprache benutzen. Jede Mühe, Griechisch oder Hebräisch zu lernen, ist sicher nicht vergeblich. Beschränkt sich jemand auf die deutsche Sprache, kann es hilfreich sein, andere gute Übersetzungen zum Vergleich heranzuziehen. Auf den Gebrauch guter Auslegungen und Kommentare haben wir bereits unter Punkt 3.4 hingewiesen.

4.4. Das Wort Gottes ist wie ein Bergwerk oder ein Kreis

Um an verborgene unterirdische Schätze zu gelangen (Kohle, Erz usw.) muss man Schächte (das sind senkrechte Bohrungen) in die Erde einführen. Bei großen Kohlevorkommen werden an verschiedenen Stellen Schächte in die Erde eingebracht. Je tiefer beim Bibelstudium „gebohrt“ wird, desto besser (es gibt nämlich viele Lagen). Je tiefer man kommt, desto „wärmer“ und mühsamer wird es allerdings. Nun werden in einem Bergwerk aber auch Stollen eingebracht. Das sind waagerechte Gänge. Mit der Zeit gibt es eine Verflechtung zwischen den verschiedenen Schächten und Stollen. Man kommt also wieder zu bekannten Stellen.

Dieses Bild verdeutlicht, dass es gut ist, in einzelne Bücher der Bibel tief vorzudringen. Dann ist es aber wichtig, die Querverbindungen (Stollen) herzustellen, weil die Bibel ein Ganzes ist.

Ein anderes Bild für das Bibelstudium ist der Kreis. Man beginnt an einer beliebigen Stelle des Kreises und stößt in das Innere vor. Schließlich führt jede „Bohrung“ zum Mittelpunkt des Kreises. Egal, an welcher Stelle des Kreises wir eindringen, wir stoßen immer zum Mittelpunkt vor. So ist es auch mit dem Wort Gottes. Wer zum Zentrum vordringt, stößt immer auf die erhabene Person des Sohnes Gottes. Er ist der Mittelpunkt aller Gedanken Gottes.

4.5. Schluss

Abschließend noch ein Zitat des bekannten Bibelauslegers William Kelly (1821-1906): „Die Schrift legt sich selbst aus. So gut Kenntnisse der Sprachen und der Geschichte auch sein mögen ... wenn du den einfachsten Menschen findest, der nur mit Fleiß die Bibel in seiner Muttersprache studiert und durch den Geist Gottes geleitet ist, hat er die Elemente und die Kraft einer wahren Interpretation ...“ (2)

Werner Mücher

1) H.L. Heijkoop, Aus dem Wort der Wahrheit, Gesammelte Vorträge, Band 2, S. 239.

2) Lectures on the Book of Daniel, S. 36-37.40.

 

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